Sonstiges

An Cousine Angela Merkel: Du schaffst ‚Das‘ … und noch vieles mehr

Ein Gastbeitrag von Gregor Denéco:


Sehr geehrte Frau Merkel, liebe Cousine,

 

lange habe ich gezögert, diesen Brief zu schreiben, aber nun ist die Zeit gekommen. Da ich seit einem halben Jahr endlich den verdienten Ruhestand genießen kann, habe ich mich entschlossen, die familiären Kontakte etwas aufzufrischen.

Nun, mein Großvater mütterlicherseits, Josef – Gott schütze seine Seele – hieß Kazmierczak, genauso wie dein Großvater väterlicherseits, Ludwig, bevor er nach Berlin übersiedelte, dort eine Deutsche heiratete und sich dann (1930) entschied, seinen polnischen Namen eindeutschen zu lassen. So wurdest Du also als Angela Kasner und nicht als Kazmierczak geboren.

Mein Großvater hat eigentlich eine ähnliche Familiengeschichte aufzuweisen. Auch er übersiedelte – leider Gottes nicht für immer – nach Deutschland, genau gesagt nach Castrop Rauxel, und heiratete dort eine Deutsche. Dort wurde auch meine Mutter geboren. Das letzte und einzige Erinnerungsstück, das mir noch von meinem Großvater geblieben ist, ist sein Arbeitsbuch mit Hakenkreuz …

Auf jeden Fall stammten beide Gentleman aus Posen und genauso wie viele andere Posener zur damaligen Zeit waren sie waschechte Polen. Dein Großvater, der als nicht eheliches Kind das Licht der Welt erblickt hat, wuchs unter der Obhut seiner Mutter, nachdem ihr der Erzeuger ihres Sohnes kalte Schulter gezeigt hatte. Und das finde ich sehr bedauernswert. Denn hätte dieser Luftikus doch damals wenigstens eine Spur von Anstand, Sensibilität und Verantwortungsgefühl gezeigt und eine Mesalliance mit dem schönen, blutjungen Dienstmädchen vom adeligen Gut in Arcugow eingegangen, wärst du heute nicht nur eine deutsche Kanzlerin, sondern auch eine (polnische) Gräfin …

Diese polnisch-deutsche Kreuzung entpuppte sich, in deinem Fall, als gar nicht so schlecht. Denn gewisse Charaktereigenschaften, welche Du von deinen polnischen Vorfahren vererbt bekommen hast, halfen Dir erheblich in deiner äußerst beeindruckenden politischen Karriere.

Du bist – und das weiß inzwischen wohl auch fast jeder – keine Frau der vielen und insbesondere der großen Worte. Du hältst es gern nüchtern, liebe Cousine …

Mein Mann scherzt gerne, dass Du gleich mehrere (politische) Meistertitel souverän errungen hast: in der Disziplin des strategischen Opportunismus, der stoischer Geduld und Passivität oder der raffinierten Taktik des Schweigens und Abwartens – um nur einige wenige Beispiele zu nennen. Du pflegst ja keine ausschlaggebende Stellung zu unbequemen Fragen zu beziehen, keine voreilige Entschlossenheit und Reaktion zu zeigen …

Ich persönlich beneide dich um diese geradezu geniale ‚Anpassungskunst‘ und um diese ‚klare Linie‘, wenn es darauf ankommt, deinen eigenen Machterhalt zu sichern. Erstens pflegst du – gemäß dem sehr gern von den Polen in die Tat, vorwiegend im Ausland, umgesetzten Motto >Gelegenheit macht Diebe< – Ideen von anderen Parteien mit großem Geschick zu klauen, um diese dann als deine eigene stolz zu präsentieren. Zweitens scheust du keine Mühen und Strapazen, um die allzu ehrgeizigen Aspiranten auf höchste Ämter etappenweise unschädlich zu machen (indem Du diesen souverän dein berüchtigtes >volles Vertrauen< aussprichst).

Als Du seinerzeit die bundespolitische Bühne betreten hast, redeten sich die konkurrierenden Männer der CDU ein, Du würdest bloß eine einflusslose und vorüber-gehende Erscheinung sein. Unglaublich, wie sehr dich dieses sonst so wachsame und ausgefuchste ‚Alpha-Rudel‘ unterschätzt hat! Nur mein Mann, als exzellenter Kenner des menschlichen Charakters (nicht zuletzt Dank dem ‚guten‘ kommunistischen Erziehung!) hat sofort deine ambitionierten Pläne durchgeschaut.

«Zieht ‚das Mädchen‘ aus dem Anderland einmal ins Kanzleramt ein«,

sagte er mit süffisantem Lächeln,

»wird es zweifelsohne nicht einfach sein, sie von dort wieder zu vertreiben.«

Kurzum, alles was ich bereits oben erwähnt habe, und noch vieles mehr, erlaubte Dir ohne Zweifel, all deine potentiellen Rivalen zu überdauern … Jetzt kannst Du ganz komfortabel auch die vierte Amtszeit als ‚alternativlose‘ Kanzlerin anstreben.

Es sei denn, dein ‚riesengroßes Herz‘ macht Dir einen heftigen Strich durch die Rechnung, liebe Cousine. Immerhin hast Du die notleidenden Großbanken gerettet und auch den Britten geholfen, sich von dem Joch der Brüsseler Diktatur zu befreien. Und schlussendlich nur Du, Du allein hast für diese fröhliche, einzigartige Aufbruchstimmung von Afghanistan bis Marokko gesorgt, alle ‚Bedürftige‘ dieser Welt nach Deutschland eingeladen (selbst Klimawandel und miese Bezahlung reichten aus, um Asyl zu erhalten).

Wenig elegant, würden jetzt bestimmt die Meisten sagen. Mag schon sein, aber sehr effektiv und zuverlässig …

Du weißt doch, vielen Missgönnern und Neidhammeln (Eigenschaft, die wiederum als typisch ‚deutsch‘ etikettiert wird) ist deine nicht enden wollende politische Erfolgsserie ein Dorn im Auge. Ich sage nur, schämen sollten sich all diese miesesten Charaktere und schadenfrohen Spezies! Na ja, die wohlgesinnten und tief besorgten Gesichter würden vermutlich etwas leisere Töne anschlagen: >Ein durchaus gefährlicher Weg. Denn niemand ist so klug, als dass er alles wüsste …<

Ich hatte viel Glück, einen interessanten Beruf als freischaffende Künstlerin ausüben zu können und jetzt, nach über dreißig Jahren meiner Tätigkeit, wurde ich dafür mit einer stolzen deutschen Rente von 67 € ‚belohnt‘. Nun ja, wenn man diese Summe z.B. in Lire, Peseten oder Drachmen hätte umtauschen können, wäre es natürlich etwas mehr. Aber solange es den Euro noch gibt, solange wird dies wohl nicht möglich sein …

Ich sehe schon all die wie immer überspitzten, sensationshungrigen oder gar realitätsfremden Schlagzeilen auf der Titelseite der Bild-Zeitung:

>Eine Cousine von Angela Merkel bekommt knappe 70 € Rente. Die ganze Wahrheit über das politische Lügen … Rentendesaster in reichem Deutschland …<

Aber jetzt vielleicht ein paar Worte über mich.

Eigentlich geht es mir ganz gut. Ich bin nach wie vor (also auch im Ruhestand!) in der Lage logisch zu denken und einen zusammenhängenden Satz zu bilden. Auf jeden Fall fühle ich mich noch nicht reif genug, um zu jener Zielgruppe zu gehören, für die einzige Lieblingslektüre die >Neue Apotheken Illustrierte< und einziger Zeitvertreib allerlei Vorsorgeuntersuchungen, Informationsabende zum Thema ‚Harninkontinenz‘ oder ‚Gelenkersatz‘ wie auch ehrenamtliches Engagements in einem kirchlichen Vereins sind.

Und ich wäre gar nicht überrascht, wenn einige deiner Kollegen dies (alleine schon aufgrund der fetten Versorgung von Pensionären) als gewöhnliches Gejammer auf hohem Niveau betrachten könnten. Naja, auch meine deutsche Großmutter würde gewiss sagen:

»Wer nicht mit wenig Geld zurecht kommen kann, der wird es auch mit viel Geld nicht können.«

Verstehe mich bitte nicht falsch. Nein, ich schreibe nicht, um mich zu beklagen. Ich gehöre nicht zu all diesen notorischen Nörglern und Schwarzsehern, und es ist auch nicht meine Absicht, völlig falsche oder irreführende Tatsachen in die Welt zu setzen. Immerhin könnte ich ja jederzeit, ohne mich dafür schämen zu müssen, meinen ‚Ruhegenuss‘ durch die staatliche Grundsicherung (die von euch äußerst geschickt und so charmant ‚umbenannte‘, stinknormale Sozialhilfe) aufstocken. Aber mein Mann (70) schuftet – selbstverständlich nicht aus finanzieller Not- munter weiter und blickt voller Optimismus in die ‚rosige‘ Zukunft. An den Vorruhestand denkt er noch lange nicht …

Apropos ’staatliche Sicherung‘, wir haben viele, sogar sehr viele gut situierte Bekannte. Die Mehrheit von ihnen hat sich in relativ kurzer Zeit zu waschechten Millionären, exakt ausgedrückt ‚Hartz IV-Millionären‘ emporgearbeitet. Fakt ist, dass sie zu diesem Reichtum und diesem völlig sorglosen Leben nur mit Hilfe unseres großzügigen Sozialstaates Deutschland gelangen konnten. Fakt ist aber auch, dass sie ausgesprochen fleißig waren. Andere haben schließlich auch sozialstaatliche Leistungen in Anspruch genommen, hatten aber gar keinen Bock, sich parallel in die (Schwarz)Arbeit hineinzustürzen. Von Pflichtgefühl und Arbeitsmoral keine Spur. Alles verdammte Faulenzer!

Hier muss man schon loyal zu geben, dass es das deutsche Sozialsystem jedem ‚Sozialempfänger‘ das volle Gefühl von Sicherheit gibt. Es erlaubt ihm motiviert und möglichst stressfrei zu arbeiten, ohne sich um das lästige Bezahlen der Miete kümmern zu müssen … Ist das nicht vollkommen paradox aus eigener Tasche Miete zu zahlen, wenn man täglich mehr als 16 Stunden außer Haus verbringt???

Diese und jene Information über unsere Nachbarn und Bekannte erlauben uns zwar nicht auf großem Fuß, aber immerhin ganz gut zu leben …

Tja, es braucht nicht besonders viel Intelligenz, um zu der Erkenntnis zu gelangen, dass Geldprobleme nie aufhören werden, solange man nicht seine Prinzipien samt Lebenseinstellung ändern wird … Mein Großvater Kazmierczak würde das vielleicht so ausdrücken:

»Der größte Reichtum eines bedürftigen Menschen ist unstreitig sein Wissen …«

Liebe Cousine, ich bin aus Danzig geflohen, um endlich unter den bodenständigen, disziplinierten, vor allem aber ordnungsbewussten Deutschen leben zu können. Weit von den polnischen Fantasten und Chaoten.

»In Deutschland«,

erzählte mir mal mein Großvater,

»gibt es für alles eine Ordnung, sogar für Gartenzwerge.«

Und das hat mir unheimlich imponiert. Ziemlich schnell war ich aber mit der ungeschminkten Realität konfrontiert worden …

Auf jeder Baustelle wimmelt es heute nur so (ausgerechnet) von Polen, die Häuser putzen Türken, die Post tragen Schwarzafrikaner aus, Pizza-Service betreiben Pakistaner oder Bengalen und die meisten Italiener stehen bei den Chinesen in der Küche … Mal saß mein Mann eine ganze Woche lang am Fenster und hat keinen einzigen Deutschen zu Gesicht bekommen.

»Der überschlaue Fuchs Sarrazin, welcher mit seinen durch und durch provokanten Ausländer-Thesen und -Statistiken zum mehrfachen Millionär geworden ist, hatte wohl schon irgendwie recht«,

musste mein Ehegatte letztendlich, aber ganz ungern, zugeben.

»Deutschland schafft sich tatsächlich langsam ab …«

Man züchtet eine neue Rasse von schlitzäugigen, mehr oder weniger farbigen Deutschen … Du gehst doch regelmäßig – und zwar zu Fuß – bei EDEKA einkaufen, liebe Cousine. Fällt es Dir gar nicht auf, wie die ‚Straße‘ wirklich aussieht?

Du kannst Dir gar nicht vorstellen, wie mich manchmal dieses deutsche ‚Mitläufer-Phänomen‘ ankotzt, um das ganz höflich auszudrücken. Einer braucht nur auszurufen und Tausende machen sich auf den Weg, um für ‚Einwanderer‘ zu demonstrieren – obzwar alle eigentlich dagegen sind. Eindeutig spürbare Einschüchterung, Angst vor Äußerung eigener Meinung … Na ja, der brave, gezielt mit falschen Argumenten gefütterte und angeblich (alle Mal in den Augen der sogenannten politischen Meinungs-bildner) ahnungslose Bürger wird langsam zum frustrierten und einflusslosen Statisten.

Mal zeigte uns ein alter Bekannter – selbstverständlich in aller Heimlichkeit – sein einziges Buch, das er in seiner Hausbibliothek besaß. Neunte Auflage (1932). Von einem ‚berühmten‘ Österreicher, welcher sich in jungen Jahren auch als Maler in Wien versuchte … Sein einziger Trost nach schweren Schicksalsschlägen, wie der Bekannte selbst zu sagen pflegt. Er sitzt beziehungsweise liegt den ganzen Tag nur auf der Couch und versteht die Welt nicht mehr. Vor einem Jahr nämlich hat ihn der Chef knallhart gefeuert, nachdem er einige jüdische Witze seinen Arbeitskollegen erzählt hatte …

»Obgleich, erzählen darf man schon, lachen darf man nicht«,

gab er sich dann selbst zu bedenken. Zwei Kollegen haben recht herzlich mitgelacht und wurden ebenfalls fristlos entlassen.

Liebe Cousine, ich würde sehr gerne mal mit Dir über einige Sachen wie zum Beispiel Meinungsfreiheit oder, was mir besonders am Herzen liegt, über unsere freie, wahrhafte und kritische Berichterstattung diskutieren. Ich persönlich schaue schon seit geraumer Zeit kein Fernsehen mehr, aber neulich erzählte mir meine Freundin aus ehemaliger DDR, sie habe nach jedem Nachrichten Journal – sei es im ZDF oder im ARD – immer wieder den selben Alptraum. Sie träumt, sie sitze in ihrer alten DDR-Bude vor der Glotze und bekomme die ‚Aktuelle Kamera‘ – heile Welt – Nachrichten serviert. Eine ‚DDR-Trauma‘, wage ich zu vermuten … Denn es wäre doch reiner Unfug, behaupten zu wollen, dass gerade unsere westlichen, demokratisch legitimierte Staatsvertreter auf so eine gesetzwidrige Pfui-Idee kämen, irgendwelche zensurartige Maßnahmen über die Medien zu verhängen …

Ganz zum Schluss hätte ich aber noch eine persönliche Bitte an Dich, liebe Cousine.

Du zeigst voller Stolz dein >freundliches Antlitz< all den neuen Immigranten und wirst dafür, völlig zu Recht, international gefeiert (wir Polen sind ja schließlich nicht umsonst für unsere, wenn auch manchmal ein bisschen übertriebene, Gastfreundschaft überall bekannt und geschätzt). Es wäre aber genauso edel und menschlich, wenn Du wenigstens ein kleines bisschen von diesem >freundlichen Antlitz und riesengroßen Herz< auch den alten, einsamen Frauen zeigen würdest. Es ist einfach beschämend, wenn in einem so reichen Land wie Deutschland 75- jährige, oder gar noch ältere Frauen Treppenhäusern putzen, im Morgengrauen Zeitungen austragen oder in Altersheimen aushelfen müssen, um ihre ‚gesetzliche‘ Rente zu verbessern. Oft nach mehr als 40 Arbeitsjahren!

Nach der letzten >Rentenreform< in Deutschland musste bestimmt das ganze Europa in ein homerisches Gelächter ausbrechen … 50 € Mutterrente!!! Meine Nachbarin betrank sich dermaßen vor lauter Freude, dass sie erst nach einer Woche imstande war, das Bett mit eigenen Kräften verlassen zu können …Von ganzem Herzen lachten nicht nur Holländer und Schweden aber auch Griechen und Spanier… Denke immer daran, liebe Cousine, es gibt kaum etwas Disqualifizierenderes für eine Regierung als Lächerlichkeit.

In der Hoffnung, deine Neugier auf deine polnische Verwandtschaft geweckt zu haben und nicht allzu indiskret und aufdringlich zu erscheinen, verbleibe ich mit freundlichen Grüßen

Deine Renate

PS: Übrigens, Du hattest Recht, als Du vor noch gar nicht langer Zeit dieses emotionale Pressestatement abgegeben hast.

»Das ist nicht mein Land …«

 

Vollkommen Richtig. Dein Land ist nämlich Polen.

1 Kommentar zu “An Cousine Angela Merkel: Du schaffst ‚Das‘ … und noch vieles mehr

  1. burkhart

    klasse

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