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Eine Sternstunde des politischen Diskurses mit Henryk M. Broder

Gestern, um Punkt 19:00 Uhr begann eine Sternstunde des politischen Diskurses im Anhörungssaal des Deutschen Bundestages.

 

So etwa 300 teilnehmende lustvolle Genießer bei einer Veranstaltung der AfD-Fraktion mit Henryk M. Broder, die von meinem MdB-Kollegen Udo Hemmelgarn und mir organisiert wurde und in der viele Verwüstungen unseres politischen Lebens – heiter, voller Ironie, aber auch nachdenklich, mit tiefgründiger Vernunft, angesprochen wurden.

Ich hatte das große Vergnügen die Einführungslaudatio auf Herrn Broder halten zu dürfen, mit der ich die Grundlage für Broders fulminanten rhetorischen Auftritt legen durfte.

 

 

Hier meine Laudatio auf Henryk M. Broder in verschriftlichter Form. Broders Rede ist mittlerweile auf „Achse des Guten“ und in der „WELT“ veröffentlicht.


 

Meine Damen und Herren,
liebe Freunde, Kollegen, Gäste,

unseren heutigen Ehrengast brauche ich eigentlich gar nicht vorzustellen.

Es ist ein wenig wie: Eulen nach Athen tragen.

Zum Beweis möchte ich hier einfach mal die Frage stellen:
Wer hier im Saal hat noch nie eine Zeile von Henry Broder gelesen?

Wer hat noch keines seiner Videos gesehen, zum Beispiel Deutschlandsafari, in der er als ein Mann des Geistes und der Ironie und Polemik, nun ja – oft auch als ein Meister bittersten Sarkasmuses – erscheint?

Demjenigen, der sich jetzt gemeldet hätte, wäre tatsächlich viel entgangen. Schauen wir uns um: Der große Zulauf zu dieser Vortragsveranstaltung macht schon hinreichend deutlich, welch großartigen Gast wir hier heute bei uns haben!

Zur Biografie unseres Ehrengastes brauche ich hier nur wenig zu sagen. Die meisten wissen es, Henryk Broder ist in Polen als Sohn von Holocaustüberlebenden Eltern geboren. Seit 1958 lebt er in Deutschland.

Anfang der 80er Jahre verließ er das Land im Streit mit den Linken – na ja, wer, der Geist hat, hätte denn auch keinen keinen Streit mit denen?

Er ging – wohl im Zorn über ihren verkappten Antisemitismus, den sie als Antizionismus camouflieren – für eine Weile nach Israel.

Glücklicherweise kam er zurück und blieb. Obwohl unser Land heute noch viel linker und wohl auch wieder antijudaistischer, antisemitischer, antizionistischer ist, als damals.
Ja, man kann sagen, wir in Deutschland sind nunmehr jahrzehntelang und immer stärker von der Politik gelink(s)t worden. So dass man ausrufen möchte: Lasst uns endlich den rechten Weg wiederfinden!

Die lange erfolgreiche journalistisch-publizistische Karriere kann jeder, dem sie nicht bekannt sein sollte, googlen. Würde ich hier die Stationen aufzählen, dann würde meine Laudatio doppelt so lange wie der so drängend erwartete Vortrag unseres verehrten Gastes.

Zum Publizisten Henry Broder sage ich nur so viel: Ich glaube, den meisten von Ihnen/Euch geht es so wie mir:

Wenn man sich wieder einmal so richtig über die Zustände unseres Landes ärgern oder auch nur ungläubig staunen muss – das ist ja beinahe täglich der Fall – so geht es mir jedenfalls, seit ich hier im Bundestag jeden Tag mehr Einblick in diese Zustände bekomme – dann schaue ich zum Trost in die „Achse des Guten“, um zu nachzusehen, ob nicht Henryk Broder wieder einen seiner unnachahmlichen Kommentare eingestellt hat.

Ich kann – fast ohne Übertreibung sagen – ohne diese Kommentare, wäre die traurige Verfasstheit unseres Landes kaum noch zu ertragen!

Vieles erinnert an die unseligsten Zeiten unserer Nation. Auch dieser Irrweg war eine auf Gleichmacherei beruhende, expansive, größenwahnsinnige, freiheitsraubende, allmachtstrunkene politische Ideologie. Vollkommen außerstande zu relativieren. Außerstande die Vorzüge dialektischen Denkens zu erkennen.

… und ja, ich erkenne Parallelen zur heutigen Zeit, zur heutigen Politik. EU-Konstrukt, Weltklima-Irrsinn, Refugee-Wahn, Gendergaga, Hypermoralisierung und, und, und…

Humor und Ironie, vor allem mit der Qualität des Herrn Broders entlastet nicht nur. Humor und Ironie ist eine Kunst. Und wenn dieses eine Kunst ist, dann ist Humor und Ironie auch eine Waffe.

Was mir aber noch wichtig ist zu erwähnen, bevor es gleich losgeht: Henryk Broder unterschätzt, wer ihn auf den Humor reduzieren will!

Er ist – was heute im Land vermeintlicher „Haltungsjournalisten“, die oft nur ängstlich konforme Mainstream-Adepten sind, sehr selten ist – u n b e q u e m.

Haltungsjournalisten sind oft nur den verfemten Unbequemen unbequem, aber bequem gegenüber den Mächtigen. Sie vergessen, dass sie Kontrolleure der politischen Macht sein sollen und nicht die fürstlich alimentierten Herolde der politisch Mächtigen.

Hier ist Herr Broder ein wahrhaft freier und kritischer Geist.

Ein Autor, der dieser Gesellschaft Mal ums Mal einen Spiegel vorhält. Er zeigt die Problemzonen auf. Das, was diese bundesrepublikanische feine Gesellschaft gern kaschieren würde. Das zeigt er gnadenlos auf.

Das wird deutlich, wenn man die beeindruckende Liste der Publikationen Henryk Broders Revue passieren lässt.
Hier nun eine kleine Auswahl der Titel seiner Bücher:

• Die Schere im Kopf. Über Zensur und Selbstzensur. 1976
• Kritik der reinen Toleranz. 2008
• Die letzten Tage Europas. Wie wir eine gute Idee versenken. 2013
• Rettet Europa! … Gründe, Europa gegen die EU zu verteidigen 2014

Kurzum:
Henryk Broder ist ein scharfsichtiger Analyst der bundesdeutschen politischen Wirklichkeit, mit einem untrüglichen Gespür für die inzwischen zahllosen politischen Widersprüche.

Er ist damit ein politischer Denker, der es mit jedem Politologie-Professor hierzulande aufnehmen kann.

Zugleich aber mutiger und streitbarer, wie sein jüngstes Engagement für die „Gemeinsame Erklärung“ bewiesen hat.

Das Thema heute ist eigentlich bitterernst:
„Das Ende der Demokratie, wie wir sie kennen, und was die die ‚Political Correctness‘ dazu beiträgt.“

Es ist zu ernst, um es nicht auch mit der schärfsten Waffe, dem Humor, der Ironie, anzugehen.
Wir freuen uns nun auf Ihre Ausführungen, lieber Herr Broder!

 

Quelle: Martin E. Renner

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